Die Teilnahme am NOVA Innovationsaward steht bereits zu Jahresanfang in vielen Kalendern regionaler Verlagshäuser. Der Preis bietet disruptiven Ideen nicht nur Bühne und Audienz, sondern gilt auch als maßgebliches Innovationsbarometer der Branche. Denn das Kerngeschäft der Branche bröckelt seit Jahren und entwickelt einen Bedarf an neuen Ansätzen und frischen Ideen. Gemeinsam möchten sich die Teilnehmer des NOVA Innovationsawards gegen diesen wankenden Markt und internationalen Substituten mit Kreativität, Erfindergeist und out-of-the-Box Methoden behaupten.

Jedes Jahr werden die drei herausragendsten und wegweisendsten Ideen im Bereich „Produktinnovation“, „Vermarktungsinnovation“ und „Neue Geschäftsfelder“ prämiert. Wir von SCHICKLER sind der Meinung, dass die Personen dahinter noch viel stärker zu Wort kommen müssen. Daher haben wir in einem Kurzinterview-Format die diesjährigen Gewinner des Hamburger Abendblatts, Schwäbisch Media und OBCC/Parzeller Verlag gefragt, wie die jeweiligen Innovationen entstanden sind, umgesetzt wurden und in Zukunft funktionieren sollen. Die spannenden Antworten der Gewinner der Kategorie “Neues Geschäftsfeld” finden Sie hier:

Zum gemeinsamen Interview stand uns Walter Lorz, Geschäftsführer der Online Business und Community Communication GmbH (OBCC) zur Verfügung.

SCHICKLER: Bitte beschreiben Sie Ihre Innovation kurz in eigenen Worten.

Lorz: Mit OBCC Classroom schaffen wir auf der einen Seite sukzessive die erste große BildungsCommunity für digitalen, kollaborativen und interaktiven Unterricht an Schulen, Institutionen und in Unternehmen. Über unsere Plattform ist es möglich, dass Schüler und Auszubildende über Ländergrenzen hinweg problemlos an gemeinsamen Projekten arbeiten können. Womit die Plattform auch auf internationaler Ebene skalieren kann. Auf der anderen Seite entsteht so ein völlig neues Öko-System für bildungsrelevante Inhalte. Über diesen Weg wird es für Publisher möglich, eine Zielgruppe zu erreichen, die in den meisten Fällen längst verloren ist. Was die zukünftigen technischen Schlüsselfaktoren anbelangt, so setzen wir auf die DistributedLedger-Technology, explizit die Blockchain. Die Anwendungsfälle sind bereits definiert und reichen von der Self-Sovereign-Identity (SSI) bis hin zum Lizenz-Management.

SCHICKLER: Wie ist die Idee zu dieser Innovation entstanden?

Lorz: Die Idee ist aus unserem Projekt move@school entstanden. Auch wenn es anachronistisch klingt: Wir bringen als Digitalgesellschaft ein eigenes noch immer gedrucktes Jugendmagazin heraus, das seit gut fünf Jahren offizielles Unterrichtsmaterial an osthessischen Schulen ist. Heute reicht es allerdings längst nicht mehr aus, ein Magazin oder auch eine Tageszeitung einfach nur digitalisiert zur Verfügung zu stellen. Die Schüler und Auszubildenden müssen aktiv und interaktiv mit den Inhalten arbeiten können. Deshalb haben wir zunächst eine umfangreiche Tool-Box dafür entwickelt und die gesamte Lösung dann auf eine Plattform transferiert. Damit ist das kollaborative Arbeiten, das in vielen Lehrplänen gefordert wird, problemlos möglich. Und dazu muss man nicht unbedingt auf Schulbänken nebeneinandersitzen. Mit analogen Materialien ist das nur schwer möglich.

SCHICKLER: Was sind die bislang größten Erfolge Ihrer Einreichung? Gibt es nennenswerte Kennzahlen?

Lorz: Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Zahlen eingehen. Der größte Erfolg ist für uns, dass wir mit vielen Stereotypen im Bildungsbereich aufräumen konnten, die oft als Ausrede für die Untätigkeit von Schulen, Schulämtern und Ministerien angeführt werden. Gibt man Schülern eine geeignete Software an die Hand, so können diese mit ihren Smartphones zum Beispiel problemlos beeindruckende Multimedia-Reportagen erstellen. Selbst wenn das Thema auf den ersten Blick für die Zielgruppe nicht so spannend erscheint. In einer unserer Pilotschulen wurde so eine Reportage über die Gedenkstätte Point-Alpha an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze erstellt und bei einem Lehrermedientag präsentiert. Beeindruckend. Medienkompetenz schafft man, in dem man Schüler mit Medien arbeiten oder selbst ein Medium erstellen lässt. Ebenso beeindruckend waren die vielen Reaktionen von Lehrern nach der Berichterstattung über den Nova Innovation Award. Die häufigste Frage war dabei: Wann können wir loslegen? Es gibt also genügend Pädagogen, die die Chancen der digitalen Bildung erkannt haben und diese auch nutzen wollen.

SCHICKLER: Welche Schwierigkeiten gab es bei der Entwicklung und Umsetzung? Wie haben Sie diese gemeistert?

Lorz: Die größten Herausforderungen waren nicht technischer, sondern politischer Natur. Wir konnten uns vielerorts des Eindrucks nicht erwehren, dass gerade in der Bildungspolitik der größte Feind die Veränderung ist. Das probateste Gegenmittel bestand darin, Fakten zu schaffen und Schulen mit engagierten Pädagogen den Zugang zu unserer Plattform zu ermöglichen. Blendet man die Politik aus, dann geht es sehr schnell voran.

SCHICKLER: Wieso gibt es ausgerechnet auf dem Gebiet der Bildungsangebote einen Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung?

Lorz: In fast allen Lehrplänen steht die Vermittlung von Medienkompetenz ganz oben. Doch wie soll das bei der Zielgruppe der Generation Z analog funktionieren, wenn die Mediennutzung doch im Wesentlichen digital über die Smartphones erfolgt. Ein viel weiterreichendes Problem ist, dass man mit konventionellem Unterrichtsmaterial die Lebenswirklichkeit der Schüler in vielen Bereichen nicht abbilden kann. Nehmen sie aktuelle Nachrichten oder Themen wie Fake-News, Cyber-Mobbing und Sexting. Die finden sie nicht in Schulbüchern. Es geht also nicht nur um die Digitalisierung als solche, es geht vor allem um relevante Inhalte für den Unterricht. An dieser Stelle sind vor allem die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage gefordert.

SCHICKLER: Wie kann an dieser Stelle die Blockchain als Technologie helfen?

Lorz: Die Blockchain spielt bei OBCC Classroom jetzt und in Zukunft eine ganz zentrale Rolle. Und das nicht als Buzzword für Marketingzwecke, sondern in Form von konkreten Anwendungen. Da wäre zum Beispiel das Thema Authentifizierung. Mit irgendwelchen Social-Media-Logins zu arbeiten, würde wohl sehr schnell die Datenschützer auf den Plan rufen. Deshalb setzen wir auf eine DIDLösung, sprich eine Self-Sovereign-Identity (SSI). Es gibt aber noch weitere Anwendungsschwerpunkte, wie beim Thema Vertrauen. Sprich der gesicherte Nachweis der Autorenschaft. In Zeiten von Fake-News eine ganz zentrale Funktion.
Gerade für Verlage, denn für uns wird Vertrauen die nächste Währung für Content sein.

SCHICKLER: Wie kommt Ihr Angebot bei Schulen, Bildungseinrichtungen und Nutzern an?

Lorz: Dazu empfehle ich Ihnen ein kurzes Video, das die Frage nach unserer Meinung eindrucksvoll beantwortet: https://www.move36.de/2018/02/02/obcc-classroom-das-kann-keine-anderelernsoftware

SCHICKLER: Wie geht’s mit Ihrem Projekt nun weiter?

Lorz: Wir schlagen im Wesentlichen zwei Wege ein, um die angesprochene Bildungs-Community und das damit verbundene Öko-System über OBCC Classroom aufzubauen. Zum einen sind die Publisher, also Verlage und alle anderen Produzenten von bildungsrelevanten Inhalten, aufgerufen, ihre Inhalte über die Plattform den Schulen in ihrem Einzugsgebiet zur Verfügung zu stellen. Die Verlage erhalten dann von uns die individualisierten Zugangsdaten zur Nutzung unserer Plattform, die diese an ihre Schulen weitergeben. Wir werden dazu in den kommenden Wochen ein gesondertes Projekt-Papier an die Verlage versenden, in dem neben einer Kurzbeschreibung und der Roadmap auch das Lizenz-Modell  2019 Jetzt sprechen die Gewinner! NOVA Innovationsaward 2019 3 vorgestellt wird. Besonders freut es uns an dieser Stelle, dass wir bei der Ansprache der Medienhäuser auf die Unterstützung der dpa zählen können.

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Einrichtung einer Modellschule, in der erstmals überhaupt die technische Infrastruktur aus Glasfaser-Anschluss und Netzwerktechnik zu den umfangreichen Anwendungen einer digitalen Lernplattform passen. Nur so lassen sich endlich Fakten im Bereich der digitalen Bildung schaffen. Interessant ist, dass Digitalministerin Dorothee Bär genau diese Vorgehensweise jüngst in einem Beitrag auf LinkedIn explizit gefordert hat.

SCHICKLER bedankt sich für die Teilnahme am NOVA Innovationsaward 2019 und für das aufschlussreiche Interview und wünscht dem OBCC/Parzeller Verlag weiterhin viele Erfolge mit dieser Innovation!