Erfolgreich Geschäftsmodelle entwickeln – jeder kann es, viele trauen sich nur nicht

Investitionen in neue Geschäftsmodelle auf Höchststand

Die Medienbranche befindet sich mitten im digitalen Disruptionsstrudel, wie so ziemlich jede Branche. Inzwischen ist jedem Medienentscheider klar, dass neben der Transformation des klassischen Geschäftsmodells auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle nötig ist, um nachhaltig wirtschaften zu können.

Diese Erkenntnis und die zunehmende Innovationsdynamik im Mediensektor hat unter anderem dazu geführt, dass alleine 2021 in Deutschland bereits knapp 400 Mio. € in mediennahe Startups investiert wurden, Tendenz stark steigend. Hierbei muss allerdings angemerkt werden, dass viele dieser neuen Geschäftsmodelle von Gründern „in der Garage“ und nicht von den „klassischen“ Medienunternehmen stammen.

In den vergangenen Jahren hat sich vielerorts die „bequeme“ Überzeugung breit gemacht, dass klassische Medienunternehmen nur schwer in der Lage sind, neue nachhaltig erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Treiber dieser Überzeugung sind hierbei Risikoaversion, „noch“ fehlender Handlungsdruck aber auch sehr häufig schlicht mangelndes Selbstbewusstsein, dass man es kann! Unser Eindruck ist, dass sich der Wind hier dreht. Immer mehr Medienunternehmen erkennen, dass grundsätzlich jede Organisation neue Geschäftsmodelle entwickeln und aufbauen kann. Im Kern muss man es sich nur zutrauen und die entsprechenden Rahmenbedingungen aufsetzen.

Ungelöste Probleme sind der Ausgangspunkt jeder guten Geschäftsidee

Zu Beginn eines jeden Prozesses zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle steht immer, gute umsetzbare Ideen zu generieren. Diese Ideen entstehen aus dem Verständnis bisher ungelöster Probleme. Genau so gehen auch erfolgreiche Startups vor. Es geht nicht darum besonders kreativ zu sein oder das „besondere Näschen“ für gute Geschäftsideen zu haben sondern darum, Probleme zu identifizieren die noch nicht gelöst sind und durch neue Ideen gelöst werden können.

Die Identifikation von relevanten und bisher nicht gelösten Problemen ist meist einfacher als gedacht. Und gerade Medienunternehmen haben unter anderem durch ihre intensive Auseinandersetzung mit Themen aus Wirtschaft, Bildung, Freizeit etc. sehr gute Voraussetzungen, solche Probleme zu identifizieren. Dies sei mal an dem einfachen Problem dargestellt welches jeder von uns kennt – die leidliche und oft extrem ärgerliche Suche nach dem verlegten Schlüssel, ob Zuhause oder anderswo:

Gleichzeitig ist ein Erfolgsfaktor hierbei, die „Problemsuche“ auf die „erfolgversprechendsten“ Probleme zu fokussieren, z.B. durch eine Vorabdefinition

  • relevanter / attraktiver Zielgruppen für das Medienunternehmen,
  • nutzbarer Kompetenzen / Ressourcen (z.B. Vertriebsnetzwerk, Logistikinfrastruktur, …)
  • eigener Kernherausforderungen die man durch neue Geschäftsmodelle angehen will (Neukundengewinnung, Eintritt in neue Märkte, Abonnentenbindung, …)

Zur Identifikation ungelöster Probleme muss meistens gar nicht die Zielgruppe selbst direkt einbezogen werden, da in Medienunternehmen genügend Kollegen arbeiten, die sich tagtäglich ausreichend mit den jeweiligen Zielgruppen beschäftigen.

Beispielhaft seien hier einige Probleme aus unserer jüngsten Projekterfahrung aufgeführt:

Zielgruppe Privatpersonen

  • Einsamkeit älterer alleinstehender Menschen
  • Zu wenig Effizienz im Alltag bei jungen Familien
  • Kaum Übersicht über lokale Freizeitaktivitäten für die Familie am Wochenende

Zielgruppe öffentlicher Sektor

  • Kaum Kommunikation zwischen Kommunen und ihren Einwohnern
  • Kein Zugang zu privaten Co-Finanzierungsquellen für öffentliche Projekte
  • Veraltete digitale Infrastruktur in der kommunalen Verwaltung

Zielgruppe Unternehmen

  • Fachkräftemangel in der Region / Branche
  • Unternehmen haben zu wenig Daten / Informationen über ihre Kunden
  • Intransparenz & fehlendes Wissen über Veränderungen gesetzlicher Vorschriften

Gute Lösungen entwickelt man über unterschiedliche Wege

Sind relevante und aus Sicht des Entwicklungsteams spannende Probleme erstmal identifiziert, müssen diese priorisiert bzw. wo möglich gruppiert werden. Nachfolgend können auf Basis von Kreativmethoden wie Reizwortmethode, Design Thinking Ansätzen oder anderen (bzw. einer Kombination aus Letzteren) entsprechende Lösungsideen gesammelt werden. Auch hier gilt die Erfahrung, dass es nicht DEN EINEN Stein der Weisen gibt – man sollte diverse Methoden ausprobieren, bis die Qualität der Lösungsansätze zufriedenstellend ist. Dieser Ideenentwicklungsprozess sollte möglichst agil und interaktiv gestaltet werden. Auch für uns Berater ist es immer wieder ein Genuss zu sehen, wie sich Entwicklungsteams in diesem Prozess intensiv einbringen, tolle Ideen generieren, und schlussendlich immer zu sehr interessanten, realistischen Ansätzen kommen. Unsere Erfahrung ist, dass hierbei weniger die individuelle Zusammensetzung des Teams entscheidend ist sondern eher die Dynamik zwischen den Teammitgliedern.

Die Herausforderung liegt nun meist darin, die entwickelten Lösungsansätze zu priorisieren. Auch hier bietet es sich an, verschiedene Ansätze auszuprobieren um herauszufinden, welcher am besten im Unternehmen / Entwicklungsteam funktioniert.

Projektbeispiel zur Lösung klassischer Alltagsprobleme

Am besten lässt sich dies alles an einem konkreten Projektbeispiel schematisch veranschaulichen. Ein regionales Medienunternehmen hat sich mit den Alltagsproblemen weiter Teile der Bevölkerung in der Region beschäftigt. Wir haben in diesem Beispiel sogar schnell erkannt, dass wir Probleme miteinander kombinieren können, da sie im Kern in eine ähnliche Richtung gehen, nur aus unterschiedlichen Motivationen.

Dieses Beispiel zeigt, dass mit entsprechenden Techniken ein Entwicklungsteam sogar verschiedene unterschiedliche Probleme in Zusammenhang bringen kann, um nachfolgend einen Lösungsansatz zu entwickeln.

Auf dieser Basis entstand der Ansatz einer regionalen Plattform als zentrale Anlaufstelle für (sub-)lokale Aktivitäten „der etwas anderen Art“ vor der eigenen Haustür. Kurz gesagt eine Art „Get Your Guide“ bzw. „Jochen Schweitzer“ für die spezifische Region, mit sehr lokalen / sublokalen Angeboten (z.B. Spargelstechen bei lokalen Bauern, Steinschleifkurs bei lokalem Spezialisten, Pferdewanderungen für die ganze Familie, Kräuterwanderung vor Ort, …). Das regionale Medienhaus kann hier seinen Zugang zu lokalen Gewerbetreibenden nutzen und gleichzeitig die Plattform günstig bewerben bzw. mit Reichweite versorgen. Im Ziel entsteht ein zweiseitiger Markt, die Plattform agiert primär als Vermittler von Angeboten, bietet aber auch eigene Aktivitäten an.

Diese und ähnliche Prozesse zur Geschäftsmodellentwicklung sind natürlich kein Garant für einen wirtschaftlichen Erfolg. Die entwickelten Ansätze werden nachfolgend mit Marktanalysen verprobt, auf Wirtschaftlichkeit mittels Business Cases geprüft und die Entscheider wollen auch noch überzeugt werden. Auf diesem Weg kann es passieren, dass man entscheidet den Lösungsansatz nicht weiter zu verfolgen, z.B. wenn sich dieser schlicht als zu riskant erweist. Dann wird einfach ein neuer Lösungsansatz entwickelt bzw. priorisiert und eine neue Iteration findet statt. Diese Iterationen verfolgt man so lange, bis ein Modell das letzte „Tor“ erfolgreich durchlaufen hat, nämlich den erhobenen Daumen der Entscheider.

Summa summarum kann aus unserer Sicht wirklich jedes Medienunternehmen selbstständig neue Geschäftsmodelle entwickeln bzw. aufbauen. Hierzu braucht es „nur“ ausreichend Selbstvertrauen, ein diverses hochmotiviertes Entwicklungsteam und das Committment der Geschäftsführung, bei entsprechend guten Geschäftsmodellen auch zu „schießen“, d.h. zu investieren.

Autor: Alexander Kahlmann, Geschäftsführer SCHICKLER

E-Mail: a.kahlmann@schickler.de

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